Freitag, 7. November 2014

Dolce Vita und arbeiten … passt das denn zusammen?


Nach dem Frühstücksespresso geht es für die meisten erstmal zur Arbeit, wer nun denkt das jetzt bis zur Mittagspause malocht und geschuftet wird,  der liegt vollkommen…falsch. Denn es ist natürlich auch wichtig einen Smaltalk mit seinen Arbeitskollegen zu pflegen, und wie geht das am besten? Natürlich mit einem Espresso! Also geht es für viele zwischen 8:00 und 10:00 Uhr nochmals in die Bar oder in die firmeninterne Cafeteria bevor man auch nur einen Doll getan hat. Nicht jeder Angestellte kann sich so einen lässigen Arbeitsstart leisten, als Perfektionisten des Fachs stehen die Angestellten der Ämter, Krankenhäuser, Polizei, Politiker und einige weitere Berufsklassen in der Kritik der wahren Arbeiterklasse, denn dieses Ritual wird fast im 2 Stundentakt praktiziert.

Ja ist das denn nicht dolce Vita? Natürlich ist das dolce Vita, aber auf Kosten von anderen. Da hätte ich persönlich ein schlechtes Gewissen bei, aber viele staatliche Bedienstete sehen das ganz anders, das ist so und soll auch so bleiben, denn dolce Vita heißt ja nicht das man sich alt und grau arbeiten soll, nein, das Geld nimmt man gerne, die Arbeit lässt man ebenso gerne liegen oder vermeidet sie. Sind die Italiener deswegen faul? Nein, viele schuften von früh bis spät für ein Appel und ein Ei wie man in Deutschland dazu sagen würde, aber  In diesem Punkto treffen sich zumindest  die Vorstellungen  von Dolce Vita aus der italienischen sowie deutschen Perspektive. Lässige Arbeitszeiten, kein Stress, immer wieder mal ne Kaffeepause und das am besten noch mit guter Bezahlung und unkündbar.

Zu diesem Thema habe ich dann prompt noch eine kleine Lebenserfahrung die ich in einem italienischen Konsulat erleben durfte und die  hier gut rein passt.  Das Büro für Anmeldungen im Ausland sollte von 9:00 bis 12:00 Uhr geöffnet sein, von 9 bis 10 ist erstmal keiner in der Botschaft erschienen, ca.20 Personen sammelten sich in dieser Zeit vor dem Bürozimmer. Um kurz nach 10 erschien der Konsulatsangestellte und verschwand in seinem Büro. Jetzt müsste man denken er kommt nach wenigen Minuten wieder raus und bittet den Ersten zu sich hinein, aber nein, es vergingen ca. 20 Minuten, es war bereits 10:30 Uhr und 50% der zur Verfügung stehenden Bürozeit war bereits ins Land gezogen. Nun ergriff einer der ersten wartenden die Initiative nachdem er sich gut 10 Minuten in einem Selbstgespräch aufgebracht beschwerte und klopfte an die Tür, öffnete diese und erhielt prompt eine Ansage des Konsulatsangestellten dass er bitte die Tür schließen und darauf warten soll das er herein gerufen wird. Die Zeit tickte weiter und um 11 Uhr schaute der Beamte vor die Tür und sagte genervt, der erste bitte. Der Mann der um 10:30 Uhr einen Versuch wagte stand auf und sagte dem Beamten dass es eine Unverschämtheit sei  so spät zu erscheinen und die ganzen Leute so lange warten zu lassen. Aufgebracht schloss der Beamte erneut die Tür, öffnete diese wieder und sagte rotz frech, jetzt mache ich erstmal eine Kaffeepause, und sollte es weitere Proteste geben würde das Büro geschlossen bleiben. 

Sie können sich vorstellen was für ein Geraune und Geschimpfe seinen Anfang nahm, ungeachtet dessen verschwand der Konsulatsangestellte mit einem arroganten hochnäsigen Blick. Gute 10 Minuten später kam er zurück und fragte ob wir uns beruhigt hätten oder ob er gleich das Büro abschließen soll… kann man sich sowas gefallen lassen? Viele wirkten eingeschüchtert, ich dagegen war jetzt erst richtig aufgebracht, von einem Staatsbediensteten erpresst werden? Nein, das lasse ich nicht durchgehen, ich stand auf, trat an den Beamten heran und sagte ihm das es seine Pflicht sei alle hier wartenden in den kommenden 45 Minuten abzuarbeiten, denn dafür zahlen wir mit unseren Steuern sein Gehalt. Die Masse applaudierte und der Beamte gab kleinlaut nach um eine Revolte zu verhindern. Dieses Beispiel verdeutlicht wie gelassen einige italienischen Staatsbedienstete ihren Job wahrnehmen. In solchen beruflichen Positionen kann man von Dolce Vita für den Beamten reden, für alle Wartenden war das allerdings ein Beispiel für Vita Amara, also dem  bitteren Leben.

Dieser Artikel gehört zu einer Serie an Artikeln um das Geheimnis der Dolce Vita zu ergründen. Den Anfang findet man hier:  Dolce Vita, auf derSuche nach dem  italienischen Lebensstil


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Item Reviewed: Dolce Vita und arbeiten … passt das denn zusammen? Rating: 5 Reviewed By: Giovanni Malfitano
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